Simplontunnel

Der Simpontunnel war bei seiner Eröffnung im Jahr 1906 der längste Eisenbahndurchstich der Welt. Er stellte damit seinen Rivalen «Gotthard» in den Schatten. Zunächst einspurig gebaut, folgte 1921 eine zweite Röhre. Seit 2007 der Lötschberg-Basistunnel eröffnet wurde, ist der Simplontunnel Teil der westlichen NEAT-Achse Bern-Lötschberg-Simplon von West- und Nordeuropa nach Italien. Die Schweizerischen Bundesbahnen betreiben einen Autoverlad von Brig nach Iselle in Italien.

 
Ort zwischen Brig (CH) und Iselle di Trasquera (ITA)
Länge Tunnel 1: 19.803 km Tunnel 2: 19.823 km
Bau Tunnel 1: 1889-1905 Tunnel 2: 1912-1921

Der Simplontunnel katapultierte Brig in das Eisenbahnzeitalter. Die «Belle Epoque» vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erreichte Brig mit einem stark anwachsenden ­Tourismus und mit einem Bauboom, der alles bisher Bekannte übertraf. Brig wurde dank des Simplontunnels zum «Mekka des Oberwallis», wie es der Hotelier und Nationalrat Dr. Alexander Seiler in seiner Eigenschaft als erster Vorsitzender der Fastnachtsgesellschaft «Türkenbund» an deren Gründungsversammlung im Jahr 1903 ausdrückte. Der Simplon war für das europäische Bahnnetz von entscheidender Bedeutung. Er ermöglichte eine direkte Verbindung von London und Paris nach Istanbul und später sogar bis nach Bagdad. Okzident und Orient wurden dadurch verbunden, und Brig wähnte sich mittendrin. Der luxuriöse «Orientexpress» fuhr auf dieser Strecke und animierte Agatha Christie zu ihrem Kriminalroman «Mord im Orientexpress», natürlich mit Hercule Poirot in der Hauptrolle.

Der Bau des Tunnels war kein leichtes Unterfangen, die Arbeit streng und gefährlich: über 60 Arbeiter fielen dem Berg zum Opfer. Tausende von italienischen Gastarbeitern bezogen auf beiden Seiten des Simplons ihre ärmlichen Quartiere. In Naters entstand eine Siedlung, wo bald mehr Arbeiter wohnten als Einheimische. Es gab Konflikte, die in einem Streik und – auf Erlass des Briger Präfekten hin – gar in einem Truppenaufgebot ­gipfelten. Im Tunnelspital versorgte Dr. Pometta die verletzten Arbeiter und konnte wenigstens erreichen, dass bei den Bohrungen im Tunnel Wasser zur Eindämmung der Staubentwicklung eingesetzt wurde, welche die Lungen­erkrankung Silikose verursachen konnte. Das damalige Spital wird heute von der evangelisch-reformierten Kirche als Gotteshaus benutzt. Ein neues Spital entstand 1908, und zwar wiederum wegen des Baus eines Bahntunnels: des Lötschbergtunnels.

Text: 800 Jahre Brig/800jahrebrig.ch
Foto Autoverlad: sbb.ch
weitere Quellen: wikipedia.org

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