Bahnhof Brig

Der Bahnhof Brig ist das Herzstück der Siedlungen von Brig und Naters, das auf der anderen Seite der Rhone gelegen ist. Bis zum Bau des Simplontunnels änderte die Rhone ihren Lauf durch ein Sumpfgebiet ständig, sodass die heute zusammengewachsenen Gemeinden Brig-Glis und Naters weit voneinander entfernt zu sein schienen. Gleichzeitig mit dem Bau der damals weltweit längsten Tunnelröhre (1906) wurde die Rhone gezähmt und eine neue Siedlungsfläche geschaffen. Der heutige Bahnhof wurde auf diesem entsumpften und aufgestockten Gelände gebaut und zeigt in seinem neoklassizistischen Stil Glanz und Macht des Eisenbahnzeitalters. Der internationale Bahnhof von Brig war das Tor zur Welt und ist es im Grund genommen bis heute geblieben. Bauunternehmer Rossi aus Brig muss voller Stolz gewesen sein, als ihm der Auftrag zum Bau des Bahnhofs erteilt wurde. Zusammen mit einer Vielzahl von italienischen Arbeitern (die Einheimischen verfügten nicht über die notwendigen Fachkenntnisse für diese Bauart) errichtete er ein für damalige Verhältnisse prunkhaftes Gebäude. Schliesslich sollten der italienische König und der schweizerische Bundespräsident bei der Eröffnung des Simplontunnels (1906) beeindruckt werden. Aber nicht nur sie, sondern auch alle anderen, die hier ein- und aussteigen sollten, sei es Winston Churchill bei seinem Besuch in Brig mit dem legendären Orient-Express von London/Paris nach Istanbul oder der Grenzgänger aus Italien, der hierher zu seiner Arbeitsstelle fährt. Der Bahnhof Brig ist aber auch ein Dauerbrenner der Planung. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Generationen von Behörden und Fachleute schon fast leidenschaftlich damit, sei es mit der komplizierten Verkehrsführung über den Bahnhofplatz, mit der gelungenen Renovation der Hauptgebäude, mit Erweiterungsbauten aller Art oder mit der Umnutzung von Räumlichkeiten. Fast scheint es, als sei der be­häbige Bau wie ein Vulkan daueraktiv. Und wer ihm begegnet, fühlt sich von seinen Augen beobachtet . . .

SBB Contact Center

Um die Jahrtausendwende suchten die Schweizerischen Bundesbahnen einen geeigneten Standort für den Aufbau eines Contact Centers, also eine zentrale Stelle in der Schweiz, von wo aus über Telekommunikationswege Auskünfte erteilt und Bahnabonnemente ausgestellt werden sollten. Das SBB Contact Center sollte sich an der Sprachgrenze ausserhalb der grossen Städte befinden, um die Rekrutierung von geeignetem und sprachgewandtem Personal zu erleichtern. Die Stadtgemeinde Brig-Glis beteiligte sich mit dem infolge Technikfortschritts nicht mehr im vollen Umfang benötigten Swisscom-Gebäude unweit des Bahnhofs. Die SBB gaben der Bahnstadt Brig den Zuschlag. Inzwischen betreuen 270 Mitarbeitende Kunden aus dem In- und Ausland. Sie nehmen jährlich 1.5 Millionen Anrufe entgegen und beantworten 250’000 Mails. Der Umsatz an ausgestellten Abonnementen hat die Milliardengrenze erreicht. Was am 2. September 2001 mit 15 Leuten begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte: Das SBB Contact Center ist heute einer der grössten Arbeitgeber von Brig-Glis und bietet interessante Stellen an. Der regionale Arbeitsmarkt erweist sich dabei mit seiner ausreichenden Menge an gut ausgebildetem und sprachkundigem Personal als geeignet. Inzwischen laufen mehrere Produktneuerungen über Brig, beispielsweise die Bahn-Reisehilfe für behinderte ­Menschen oder verschiedene Hotline-Dienste über die SBB-Internetseite. Das Contact Center ist rund um die Uhr und während 365 Tagen im Jahr erreichbar. Seit 2011 sind alle dies­bezüglichen Aktivitäten der SBB auf den Standort Brig konzentriert. Als die Swisscom ihre Liegenschaft zum Verkauf anbot, wurde diese von der Stadtgemeinde Brig-Glis und vom Kanton Wallis je zur Hälfte erworben. Damit sichert die öffentliche Hand die Arbeitsplätze der SBB und steht als verlässlicher Partner zur Verfügung. Brig bleibt sich selbst auch über 100 Jahre nach dem Eintritt ins Eisenbahnzeitalter treu: Die SBB beschäftigen am Standort Brig über 800 Personen und bilden damit eines der wichtigsten Zentren des öffentlichen Verkehrs der Schweiz. Mit ihrer Immobilienpolitik unterstützt die Stadtgemeinde Brig-Glis die wirtschaftliche Entwicklung, wie dies der Grosse Stockalper mit seinem Satz «Nihil solidum nisi solum» (Nichts ist so beständig wie der Boden) vorgegeben hat. Der Versicherungswert der gemeindeeigenen oder gemeindenahen Liegenschaften beträgt 300 Millionen Franken.

Quelle: 800 Jahre Brig/800jahrebrig.ch

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